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Zeitzeugen

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projektes „skupno na poti – Gedenkweg“ Mag.a Gitka Opetnik führte eine Vielzahl an Interviews mit ausgesiedelten Personen und den Nachkommen der vertriebenen Familien im April 1942.  Die persönlichen Erlebnisse und Schicksale geben Einblick in die schwere Zeit und ermöglichen ein besseres Verständnis für das individuell Erlebte.

Die ersten drei Erzählungen zum Nachlesen. Weitere Aufzeichnungen folgen.



Dora Blažej, geborene Kušej, vlg. David in Šmihel/St. Michael, lebt in Letina/Lettenstätten.

Im Jahr 1942 gehörten wir zu den ausgesiedelten Familien in Šmihel/St. Michael. Am Morgen, um halb sechs kamen die Gestapo-Leute mit einem Lastwagen. Alle waren schwarz gekleidet. Zuerst gingen sie in den Stall. Mein Vater und Tante Mojcka waren bereits im Stall. Sie wurden aufgefordert, ins Haus zu gehen und ihre Sachen zusammenzupacken. Wir schliefen noch alle. Meine Mutter war sehr krank. Die Gestapo-Leute kamen ins Zimmer und schrien, dass alles in einer halben Stunde zusammengepackt sein müsse, "wir werden euch wegbringen". Wir Kinder hatten Angst, weil sie alle Gewehre hatten. Mein Vater und Tante Mojcka kamen aus dem Stall, und packten einige Sachen zusammen. Die Gestapo-Leute öffneten die Schränke, warfen alles in Bettlaken, banden sie zu Bündeln, luden sie auf den Lastwagen und fuhren weg. Mein Vater bat einen von ihnen, meine Mutter zu Hause zu lassen, weil sie krank war. Sie hatte Fieber. Der Gestapo-Mann sagte jedoch, dass dies nicht möglich ist: "Sie steht auf dem Papier, sie muss ins Lager, ob sie tot oder lebendig dort ankommt." Wir warteten bis zum Mittag, bis sie mit dem Bus kamen, um uns abzuholen.

Als wir im Lager ankamen, stand alle paar Meter ein Gestapo-Mann mit einem Gewehr. Neben ihm war ein großer Hund. Dann brachten sie uns in eine Baracke. Dort gab es nichts anderes als Stroh auf dem Boden. Im Lager waren wir vier Tage. Meine Mutter wurde sofort ins Krankenhaus nach Klagenfurt gebracht. Mein Vater war sehr krank, und auch meine Großmutter. Dann waren nur noch Tante Mojcka und meine Schwester Lena, die 16 Jahre alt war, da. Die anderen Kinder waren klein. Mara war ein Jahr alt, Anza war fünf, ich war sieben und Justa neun Jahre alt. Mein Vater bat den Arzt, ob er etwas für uns tun könne. Der Arzt versprach, sein Bestes zu tun. In diesen vier Tagen musste immer einer aus der Familie draußen stehen, auch nachts. Wir wurden über einen Lautsprecher aufgerufen. Wenn die Nummer aufgerufen wurde, wusste die Familie, dass sie mit dem Zug nach Deutschland weggebracht wird. Am dritten Tag rief der Arzt: "Kušej, wo bist du?" und sagte zum Vater "Du darfst mit deiner Familie nach Hause." Er umarmte meinen Vater und beide weinten.

Als wir nach Hause kamen, hatten wir nichts. Geschirr, Kleidung, alles wurde nach Deutschland gebracht. Wir hatten keine Kleidung zum Wechseln und kein Geschirr zum Kochen. Es dauerte zwei Monate, bis etwas zurückkam. Vieles ging verloren. In dieser Zeit hatten wir nichts. Die Nachbarn, Pfarrer Bosch aus Globasnitz und Tante Treza, die in Šmihel/St.Michael einen Laden hatte, halfen uns. Acht Tage später kam ein Mann und ging vor dem Haus auf und ab und beobachtete uns. Mein Vater fragte ihn, wer er sei und was er wolle. Er sagte, er sei aus dem Kanaltal und sollte unser Haus übernehmen. Als er erfuhr, dass wir nicht freiwillig gegangen waren, sagte er: "Ich bin froh, dass ihr zurückgekommen seid." Einige Zeit geschah es, als es dunkel wurde, stand ein Mann vor dem Küchenfenster und lauschte unseren Gesprächen. Wir hatten solche Angst, dass niemand sprechen konnte, auch die Eltern nicht. Er trug einen großen Hut. Niemand wagte es, nachzusehen, wer das war. Das musste ein Spion gewesen sein. Meine Mutter war sechs Monate im Krankenhaus. Sie kam schwer krank nach Hause. Sie litt an Lungentuberkulose. Deshalb mußte unser Vater die kleine Schwester Mara, die eineinhalb Jahre alt, war zum Črčej zur Großmutter bringen. Und auch uns Kindern wurde verboten, das Zimmer der Mutter zu betreten. Mein Vater war im Ersten Weltkrieg verwundet worden. Er hatte ein steifes Bein. Im Rücken hatte er eine Kugel, die nicht operiert werden konnte. Davon bekam er eine Knochentuberkulose. Mein Vater war gelähmt und konnte weder stehen noch sitzen, er war völlig bettlägerig. Schwester Lena war damals 17 Jahre alt und übernahm den Haushalt. Sie kochte und pflegte beide. Jeden Tag musste sie den Vater verbinden, weil er offene Wunden hatte. Mit 32 Jahren verstarb meine Mutter. Genau zu Ostern war die Beerdigung. Fünf Monate später starb unser Vater im Alter von 46 Jahren. Fünf Monate später starb meine Großmutter im Alter von 70 Jahren. Innerhalb von 10 Monaten starben drei Menschen. Tante Mojcka arbeitete auf dem Bauernhof. Sie heiratete nie und war immer da für uns. Wir hatten Glück, dass Tante Mojcka für das Haus und uns Kinder bis zu ihrem Tod sorgte. Sonst wären wir zu anderen Familien gekommen. Gott sei Dank hat uns Tante Mojcka gerettet, sie sorgte dafür, dass wir zusammenblieben und unser Zuhause behielten. Trotz des Unglücks, hatten wir Glück, dass Tante Mojcka für uns sorgte.

Über diese Ereignisse, dass wir umgesiedelt wurden, sprachen wir nicht. Niemand wagte es, etwas zu sagen. Als wir in die Schule kamen, war die HAJOt. Nachmittags hatten sie Übungen. Wir mussten immer zu diesen Übungen gehen und hatten Angst, dass sie wieder kommen und uns aussiedeln, wenn wir uns an den Übungen nicht beteiligen.

Nach dem Krieg sprachen wir natürlich nur Slowenisch. Ein Priester aus Slowenien kam nach Šmihel/St. Michael. Er versammelte uns zum Theaterspielen und Singen. Beim Šercer hatten wir einen Saal, dort hatten wir unsere Theaterauftritte.

Wir spielten Stücke wie "Petrčkove poslednje sanje" und "Valpurga". Diese Stücke spielten wir auch später, als Herr Oraže da war. Er unterrichtete uns. Auf dem Weg nach Katarina, dort wo jetzt der Friedhof ist, gab es einen großen Platz. Dort stellten sie eine Theaterbühne auf, wo wir dann spielten.

Mein Bruder Janez und ich waren im Kinderchor, dann im Jugendchor, später im Kirchenchor und beim Gorotan. Einmal gingen wir mit dem Jugendchor zu einem Wettbewerb nach Škocjan/St.Kanzian. Das Unternehmen Sienčnik brachte uns dorthin. Als wir auftraten, gewannen wir den ersten Preis. Was für eine Freude das war. Janez sang ein Solo. Die Leute weinten, weil das Lied so traurig war. Das war um das Jahr 1950. Wir hatten auch einen Auftritt im Radio.

Aus dieser Zeit blieb mir die Angst. Wenn ich einen Polizisten sah, begann ich zu zittern. Einmal kam nachts ein Polizist und fragte etwas. Ich zitterte am ganzen Körper. Auch wenn es draußen laut war, hatte ich immer Angst. Diese Angst ging nicht einfach weg. Sie sitzt tief drin. Als Tante Mojcka einmal krank wurde, hatte ich Angst, dass auch sie sterben würde. Als Kind wusste man nicht, was passiert.

Zur Zeit des "Ortstafelsturms" war ich schon in Letina/Lettenstätten. Hier gab es diesen Aufruhr nicht. Man konnte nicht verstehen, warum es jemanden stört, wenn es zweisprachige Tafeln gibt.

Ein Jahr war ich in der Schweiz. Dort sprachen sie Italienisch, Deutsch und Französisch. Nie hörte ich jemanden, der sagte, dass man eine Sprache nicht sprechen dürfe oder dass man verspottet würde, weil man eine andere Sprache sprach. Das gab es nur bei uns. Das konnte ich nicht verstehen. Was mich am meisten störte, war, dass man genau wusste, dass Vater und Mutter Slowenen waren, die Kinder aber nicht Slowenisch sprachen. Sie waren dagegen und verspotteten uns.

In der Schweiz lernen sie auch in der Schule mehrere Sprachen: Französisch und Deutsch oder Italienisch und Deutsch. Ich war in den Jahren 1955 und 1956 in der Schweiz um etwas Geld zu verdienen, weil ich dann heiratete. Meine Schwester Mara lernte. Wir mussten zu Hause arbeiten. Es gab keine Möglichkeit, irgendwo eine Arbeit zu finden.  Wir konnten nicht von zu Hause weg, weil Tante Mojcka allein war. Mein Bruder Janez war 14 Jahre alt, als er schon pflügen musste. Ganz jung übernahm er den Hof.

Nach 70 Jahren in Letina/Lettenstätten sprechen heute nur noch drei Kinder in unserem Dorf Slowenisch.

Über die Kriegszeit sprachen wir sehr wenig. Eine Zeit lang erzählte ich nichts von meinen Erlebnissen. Auch meinen Kindern erzählte ich nicht, dass wir ausgesiedelt wurden. Erst nach einigen Jahren begann ich darüber zu sprechen und es ihnen zu erklären. Das kam so, dass sie sich fragten, warum ich so eine überzeugte Slowenin bin und nicht Deutsch sprechen will. Dann erzählte ich ihnen, warum. Was ich erlebt habe. Wenn man so viel Leid durchgemacht hat, kann man nicht etwas sein, was man nicht ist.

Ich habe meine Kinder gelehrt, dass sie bleiben sollen, was ich ihnen vorgelebt habe. Sie sollen Slowenen bleiben. Gott sei Dank sprechen meine Enkel und Urenkel alle Slowenisch und Deutsch.

Wichtig ist, dass sie ihrer Muttersprache treu bleiben. Dass sie die Muttersprache schätzen und sich nicht schämen, dass sie Slowenisch als Muttersprache haben. Auch meine Urenkel lernen Slowenisch. Wenn sie zu Besuch kommen, sprechen alle Slowenisch.

Ich hoffe, dass Gott Tante Mojcka für die Güte und Liebe die sie uns gegeben hat reichlich belohnen wird.  Sie war eine Seele. Sorgte für das Haus, daß es schuldenfrei blieb und wir Kinder eine schöne Zeit hatten. Wir stritten uns nie, es war wirklich ein Zuhause. Wir müssen Tante Mojcka und Schwester Lena danken, das beide so gut für unsere Eltern und uns gesorgt haben. Wir haben überlebt, es war nicht leicht. Es war Glück.

 



Milka Sadjak, geborene Turk, vlg. Štern in Podkraj/Unterort. Heute lebt sie in Bleiburg/Pliberk.

Ich wurde am 22.09.1939 geboren. Als wir ausgesiedelt wurden, war ich zweieinhalb Jahre alt. Mein Vater und meine Mutter erzählten, dass die Gestapo uns abholte. Mit einem Pferdewagen wurden wir zum Bahnhof gebracht. Ich erinnere mich, dass wir eine Woche lang in einer Kaserne in Klagenfurt waren. Es war ein großer Raum. Dort lagen wir alle auf dem Boden. Als wir zum Bahnhof kamen, kämpfte mein Vater mit etwa fünf Männern. Er wollte nicht in den Zug einsteigen, nicht nach Deutschland fahren, er wollte nach Hause. Ich weinte, aber es half nichts. Mit Gewalt wurden wir in Viehwaggons gepfercht und "ab die Post". Als wir in Deutschland ankamen, wurden wir mit Lastwagen ins Lager gebracht.

Zuerst waren wir in Schwarzenberg. Dann kamen wir nach Frauenaurach.  An Hesselberg habe ich einige Erinnerungen. Wir wohnten in Kasernen. In der Mitte des Raumes stand ein großer eiserner Ofen. So groß, dass man ihn nicht mit den Händen umfassen konnte. Die Kinder hielten sich an den Händen und spielten im Kreis. Ich stolperte und fasste den Ofen an. Beide Hände waren verbrannt. Es dauerte eine Weile, bis es heilte. Im Lager hatten wir keinen Arzt. Meine Mutter kümmerte sich um die Wunden. Der Lagerleiter war Florian Kaiser, Kojžrov aus Rinkolach/Rinkole. Das war der Stiefvater meiner Mutter. Wenn in Hesselberg Fliegeralarm war, gingen wir die Treppe hinunter in einen großen Saal. Die Toilette war einfach im Freien. Ich weiß nicht, ob es im Winter anders war. Jeder konnte zuschauen. Das war das Schlimmste, das gefiel mir nicht. Mein Vater arbeitete in einem Sägewerk in Stuttgart. Einmal im Monat hatte er am Wochenende frei. Dann kam er uns besuchen. Es schien ihm dort recht gut zu gefallen. Im Lager sprachen wir untereinander Slowenisch, aber hauptsächlich musste Deutsch gesprochen werden. Als wir nach Hause kamen, konnte ich Deutsch. Zu Hause vergaß ich es wieder, weil wir es nicht sprachen.

Während des Krieges gab es in Hesselberg eine Flugschule. Wir gingen oft dorthin. Einmal nahm ich mir ein Tuch, das sie für Fallschirme benutzten, und brachte es nach Hause. Sie hatten auch Stoff für Rucksäcke. Das war sehr schwerer Stoff. Ich schleppte ihn bis ins Lager. Diesen Stoff brachten wir sogar nach Hause. Zu Hause machte die Cousine unserer Mutter für jedes Mädchen – wir waren drei – ein Kleid daraus.

Das Essen im Lager war sehr schlecht. Meine Mutter ging abends heimlich, wenn es schon dunkel war, zu einem Bauern, um Milch für uns Kinder zu holen. Sie sagte oft, wenn es keine Milch gegeben hätte, hätten die Kinder diese Zeit nicht überstanden. Sie nannte nie den Namen dieses Bauern. Die Milch bezahlte sie immer. Sie war froh, dass sie überhaupt welche bekam. Wenn das entdeckt worden wäre, wäre sie sicher bestraft worden. Ich weiß, dass sie Angst hatte.

Im Lager kümmerte sich meine Mutter gut um uns. Wir freuten uns am meisten, wenn wir ein Paket von unserer Tante aus Wien bekamen. Darin waren immer Süßigkeiten. Die Tante war Nonne in Wien. Als wir aus dem Lager zurückkamen, besuchte ich sie. Ich war eine ganze Woche bei ihr. Sie war die Schwester meines Vaters.

Im Sommer1945 kamen wir aus dem Lager nach Hause. In unserem Haus war die Familie Rauter aus dem Kanaltal. Diese Familie war nicht erfreut, dass wir wieder nach Hause kamen. Zuerst mussten wir in einem Haus leben, das neben unserem eigenen Haus stand. Es gab nur einen Raum und eine schwarze Küche. Bis zum Herbst waren wir in diesem Häuschen. Solange die Familie Rauter auf dem Bauernhof war, arbeiteten sie. Wir wohnten nur dort. Als sie gingen, musste vieles repariert und das Haus in stand gesetzt werden.

Über diese Ereignisse sprachen wir in der Familie nicht. Mein Vater verunglückte, als ich neuneinhalb Jahre alt war. In Bistrica/Feistritz fiel er vom Wagen, als sie Klee luden. Die Achse brach und tötete ihn. Das war 1950. Kaum waren wir nach Hause gekommen und hatten angefangen, gut zu leben, starb mein Vater. Es war seltsam. Nach dem Tod meines Vaters Franz war meine Mutter allein. Bis 1957 war mein Onkel im Haus, dann starb auch er. Wir alle arbeiteten. Als wir Kinder etwas kräftiger waren, halfen wir mit. Es mussten zwei Bauernhöfe bewirtschaftet werden, einer in Bistrica/Feistritz und einer in Podkraj/Unterort. Nach Bistrica/Feistritz musste man immer mit dem Pferd und dem Pferdewagen fahren. Traktoren gab es noch nicht. Meine Schwester Ivanka war 15 Jahre alt, als wir einen Traktor bekamen, und sie erhielt die Erlaubnis, mit dem Traktor zu fahren. Mit dem Traktor war es besser. Aber es dauerte lange.

Der Ferat-Bauernhof in Feistritz/Bistrica gehörte meiner Mutter. Sie hatte das Erbrecht. Meine Mutter hat ihren Vater nie kennengelernt. Als meine Mutter geboren wurde, war ihr Vater schon an der Front und kam nicht zurück. Acht Jahre lang waren sie und meine Großmutter allein. Sie hatten zwei Mägde und eine Mühle. Dann heiratete meine Großmutter Florian Kaiser. Er war der Stiefvater meiner Mutter. Danach war alles anders, weil eine neue Familie entstand. Es gab noch viele Kinder. Meine Mutter heiratete nach Unterort/Podkraj.

Nach dem Krieg fühlte ich keinen Widerstand. In der Schule hatten wir eine schöne Zeit. Ich hatte eine sehr nette Lehrerin, Melita. Sie war eine Gottscheerin. Sie war sehr streng. Ich mochte sie sehr.

Heute ist es am wichtigsten, dass die Kinder Slowenisch lernen und auch Slowenisch sprechen. Gott sei Dank können es alle unsere Kinder. Meine Enkelkinder sprechen alle Slowenisch, auch die slowenische Schriftsprache. Es ist wichtig, dass die slowenische Sprache nicht vergessen wird, damit unser Volk und unsere Sprache weiterleben.

 

 



Josefa Sadjak, geborene Glinik in Gradiče/Graditschach beim Gornik. Lebt mit ihrem Mann Bertl in Čergoviče/Tscherberg.

Ich wurde am 11.03.1938 in Gradiče/Graditschach geboren. Wir waren acht Kinder. Mein Vater starb, bevor ich geboren wurde. Meine Mutter war nicht sehr gebildet. Sie stammte aus Strojna. Mein Vater war zuvor zweimal verheiratet. Mit seiner ersten Frau hatte er zwei Töchter, mit der zweiten zwei Söhne. Meine Mutter wurde 1897 geboren.

Im Jahr 1942 wurde unsere ganze Familie umgesiedelt. Sie kamen, holten uns und brachten uns weg. Sie sprachen Deutsch. Meine Mutter verstand sie nicht, weil sie nur slowenischen Dialekt sprach. Auch ich kann kein schriftliches Slowenisch, weil ich es nie gelernt habe. Als Kind streifte ich viel bei den Bauern umher. Als ich älter wurde, arbeitete ich bei den Bauern. Meine Schwester Mici wurde nicht umgesiedelt. Die anderen wurden alle zusammen mit meiner Mutter umgesiedelt. Warum wir umgesiedelt wurden, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wer uns gemeldet hat. Wir waren in den Lagern Frauenaurach und Eichstätt.

Ich erinnere mich, dass wir Kinder zusammen waren. Meine Mutter musste arbeiten und hatte keine Zeit für uns. Einer im Lager passte auf uns auf. Wir Kinder spielten viel. Wenn wir Kinder allein waren, sprachen wir Slowenisch. Wir konnten nicht gut Deutsch. Das Essen war nicht schlecht. Zu Hause hatten wir schlechteres Essen. Meine Mutter hatte kein Einkommen. Sie war Witwe. Den Bauernhof beim Gornik bekam der Sohn meines Vaters aus zweiter Ehe.

Beim Gornik fielen Bomben und alles wurde zerstört. Als wir aus dem Lager nach Hause kamen, lebten wir in einer Holzhütte, ohne Wasser und Toilette. Meine Mutter ging arbeiten, um für Essen zu sorgen. Ich möchte nicht daran denken, wie schlimm es war. Als wir zurückkamen, fragte uns niemand etwas. Wir mischten uns nicht in die Politik ein.

Nach dem Krieg gab es in Suha/Neuhaus viele Jahre einen sehr guten Lehrer. Niemand hat uns ausgegrenzt, weder in der Pfarre noch in der Gemeinde. Mit niemandem hatten wir Kontakt. Ich hätte gerne Akkordeon gespielt, aber es gab kein Geld. Ich sang gerne, ging aber nicht zum Chor, weil ich nichts zum Anziehen hatte. Es war eine einzige Armut. Wir aßen alle zusammen aus einer Schüssel.

Früher wurde überall nur Slowenisch gesprochen. In der Schule lernten wir nicht viel Deutsch. Heute ist es mit dem Slowenischen so, dass man nicht viel lernt. Wir sprechen immer nur Slowenisch.

Bertl Sadjak: Als junger Mann sang ich im Chor in Rinkolach/Rinkole und im Kirchenchor, den mein Bruder leitete. Auch vier Jahre im Chor Foltej Hartman. Beruflich war ich Fahrer und war nicht viel zu Hause. Deshalb hörte ich auf zu singen. Ich wurde 1937 bei Kvončnik in Rinkolach/Rinkole geboren. Wir waren 15 Kinder. Zu Hause sprachen wir Slowenisch. Meine Mutter konnte kein Deutsch. Mein Vater konnte es. Bei der Umsiedlung war es so, dass wir den Befehl erhielten, uns vorzubereiten, weil wir umgesiedelt werden. Wir zogen uns gut an und warteten. Ein Auto sollte uns abholen. Vier Brüder waren in der Armee. Mein Bruder Miha, der Organist war, diente bei einem Offizier in Klagenfurt. Unser Vater ging zu diesem Offizier und erklärte ihm, dass vier Söhne im Krieg seien und wir umgesiedelt werden sollten. Er stoppte die Umsiedlung. In Rinkolach/Rinkole, Replach/Replje und Rinkenberg/Vogrče wurde keine Familie umgesiedelt.

Nach dem Krieg wurde viel politisiert. Einige waren für Hitler, andere hatten Angst vor den Slowenen. In Rinkolach/Rinkole wurde manchmal Theater gespielt. An einem Sonntag sollten sie spielen. Jemand sagte den Spielern, dass einige aus Rinkenberg/Vogrče kommen und die Szene zerstören wollten. Im Rižnar-Heuschober war alles für das Spiel vorbereitet. An diesem Tag war in Rinkolach/Rinkole die hl. Messe. In dieser Zeit wollten jene aus Rinkenberg/Vogrče alles zerstören. Als sie kamen, griffen die Dorfbewohner aus Rinkolach/Rinkole sie an und verprügelten sie.

Nach dem Krieg wagten wir es nicht zu politisieren. Es war schon zu viel, dass wir zu Hause Slowenisch sprachen. Bei den Soldaten traf ich niemanden, der Slowenisch sprach. Niemand wagte es dort, Slowenisch zu sprechen. Auch anderswo politisierten wir nicht. Wir gingen nicht in Gaststätten, denn es gab kein Geld. Zu Hause arbeitete ich auf dem Bauernhof. Zwischendurch ging ich zu einem Bauern und verdiente etwas, damit es am Sonntag für ein Bier reichte. So waren wir es gewohnt. Auch die anderen hatten nichts. Wir waren alle gleich. Wir wuchsen in harten Zeiten auf und waren mit allem zufrieden.