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Kunstobjekt von Albert Mesner

Wir stehen heute vor einem Denkmal, welchen zwei Symbole dominieren. Eine Vielzahl an grünlichen Tränen bestimmen die Betonwand und laden ein zum Nachdenken. Nachdenken über eine Zeit, die auch in unserer Pfarre und Gemeinde mit viel Trauer, Schmerz, Schrecken, Verzweiflung und Angst behaftet war. Bäche von Tränen flossen über die Wangen der vertriebenen Familien. Es waren aber auch Tränen der puren Angst und voll Schrecken all jener, die in den Lagern in Deutschland, im KZ Dachau, Auschwitz und Mauthausen verstarben.  Tränen sind aber auch Symbol für Glück und Freude über die Rückkehr vor 80 Jahren.

Diesen Menschen wollen wir mit diesem Denkmal ihre Namen und ihre Lebensgeschichte wiedergeben.

Die Ausgesiedelten und zivilen Opfer haben in unseren Ortschaften Spuren hinterlassen. Mit ihrem Leben, ihrer Arbeit und ihrem Engagement in Wirtschaft und Kultur haben sie das Zusammenleben bereichert. Ihre Spuren waren sichtbar in den Ortschaften, den Feldern und Wäldern – insbesondere aber in den Herzen der Mitmenschen. Diese Spuren wurden durch die Vertreibung jäh unterbrochen. 

Wie still wurde es am 14. und 15. April 1942 in unseren Dörfern, als 24 Familien weggebracht wurden, wenn Mitmenschen, Nachbarn über Nacht verschwanden, und die Angehörigen nur noch die Todesnachricht bekamen. Der Slogan – Spuren – Sledovi soll an alle diese Mitmenschen erinnern, die ein Stück weit auch unsere Landschaft bereichert haben. Sie  können diesen Spuren folgen indem sie dem QR Code auf der Aufschrift des Denkmals benutzen.

Für den Künstler Albert Mesner war es eine ehrvolle Aufgabe, dieses Denkmal, dieses künstlerische Objekt zu gestalten. Die Geschichten und Lebenswelten der Vorfahren berühren ihn auf besondere Weise und inspirierten ihn bei der Erarbeitung dieses Werkes. Von der Idee bis zur Verwirklichung schweiften seine Gedanken rund um diese Menschen und ihre Lebensgeschichten. So entstanden 178 Tontränen, die das Leid dieser Menschen symbolisieren.

Der Künstler Albert Mesner aber machte noch einen Schritt weiter. Er besuchte die Volksschulen Heiligengrab, Bleiburg, St. Michael und Globasnitz und arbeitete mit den Kindern an diesem Kunstwerk.

Unter den flinken Kinderhänden entstanden viele der kleinen Tränen. Nebenbei erzählte er den Kindern von der schweren Zeit der Deportation. Besonders berührt waren die Kinder über das Schicksal ihrer Altersgenossen in der Zeit des 2. Weltkrieges.

Die Tontränen wurden nach der Fertigstellung im Ofen bei 950 Grad gebrannt. Danach bekamen sie eine grünliche Glasur.  Für Albert Mesner ist das Grün die Farbe der Heimat, welche viele verloren haben.  Die Tonstücke wurden danach noch einmal bei 1250 Grad gebrannt.  Für den Künstler ist dieses Denkmal eine Besonderheit.  – es ist eine Gemeinschaftliche Kunstinstallation.

Es ist eine Einladung über die Geschichte nachzudenken und daraus das Leben und die Gegenwart in Frieden zu gestalten, wo Intoleranz keinen Platz hat.



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Zeitzeug:innen, geschätzte Gäste,

das Jahr 2025 wurde im öffentlichen Diskurs des Landes Kärnten zum Jahr der Erinnerungskultur erklärt.
80 Jahre nach der Befreiung vom NS-Regime erinnert sich auch die slowenische Volksgruppe an die Rückkehr jener Kärntner Slowen:innen, die 1942 gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Dieses Gedenkjahr ist ein Jahr des Innehaltens, des ehrlichen Rückblicks – aber auch ein Jahr des bewussten Nachvorneschauens.
Denn Erinnerung bedeutet nicht Stillstand. Sie bedeutet Bewegung – hin zu einem besseren Miteinander.

Heute haben wir uns hier in St. Michael versammelt, um ein Denkmal zu enthüllen, das weit mehr ist als Stein, Beton oder Metall.
Es ist ein Zeichen des Erinnerns, der Wertschätzung – und des würdevollen Gedenkens.

Es erinnert an die 24 slowenischen Familien, die am 14. und 15. April 1942 aus der Pfarre St. Michael ob Bleiburg sowie der Gemeinde Feistritz ob Bleiburg in Lager nach Deutschland deportiert wurden – ausgesiedelt in eine ungewisse Zukunft und hinterließen in unseren Dörfern eine schmerzliche Leere.

Doch unser Gedenken gilt nicht nur ihnen. Es umfasst auch jene zivilen Opfer, die unter dem NS-Regime litten.
Ihnen allen wurde Würde genommen, ihre Namen ausgelöscht, ihre Geschichten zum Schweigen gebracht.
Dieses Denkmal bringt sie symbolisch zurück ins Bewusstsein unserer Gemeinschaft.

Entstanden ist dieses Denkmal im Rahmen des Mehrgenerationenprojekts Skupno na poti – Gedenkweg“ des Kulturvereins KPD Šmihel.
Getragen von engagierten Nachkommen vertriebener Familien, von Menschen, die bereit sind, sich mit der lokalen Vergangenheit auseinanderzusetzen und von Vereinsmitgliedern – um daraus Impulse für eine gemeinsame, friedliche und demokratische Zukunft zu gewinnen.

Dieses Projekt beleuchtet die handelnden Akteur:innen ebenso wie die betroffenen Opfergruppen und öffnet Räume für Dialog, Mitgestaltung und neue Perspektiven.

Ja – mit diesem Projekt schreiben wir Geschichte.
Nicht, um alte Wunden aufzureißen, sondern um Verantwortung zu übernehmen.
Nicht, um stehenzubleiben, sondern um weiterzugehen.
Denn was wir gedenken, das bleibt lebendig – und was wir verstehen, kann uns leiten.

Sagte Elie Wiesel, ein Holocaust-Überlebender, Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger

Die Enthüllung dieses Denkmals ist daher nicht nur ein Akt des Gedenkens.
Sie ist auch ein Akt der späten, aber aufrichtigen Anerkennung
ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den Kärntner Slowen:innen und all jenen, die in der Vergangenheit zu wenig Gehör gefunden haben.

Aber: Erinnerung -  Gedenken allein genügt nicht.
Es geht nicht nur um den Blick zurück – sondern ebenso um den gemeinsamen Blick nach vorn.

Wir lernen aus der Geschichte,

dass Ausgrenzung, Stigmatisierung, Sprachlosigkeit und Wegschauen der Anfang von Unrecht sein können.
Wir erkennen, dass Vielfalt, Sprache kein Risiko, sondern ein Reichtum ist – und dass die slowenische Sprache und Kultur ein unverzichtbarer Teil Kärntens sind und zum Reichtum beiträgt.
Wir verstehen, dass eine starke Demokratie dort beginnt, wo wir uns mit der Vergangenheit ehrlich auseinandersetzen – mit Respekt, mit Offenheit und mit Verantwortung.

Denn: Erinnerung ist kein Selbstzweck – sie ist ein Auftrag.

Ein Auftrag, heute und morgen für Menschenwürde und Gleichberechtigung einzutreten.
Ein Auftrag, Minderheitenrechte nicht nur rechtlich, sondern auch gesellschaftlich zu leben.
Ein Auftrag, den Dialog nicht abreißen zu lassen – gerade in einer Zeit, in der Hass, Polarisierung und Ausgrenzung wieder an Boden gewinnen.

Dieses Denkmal steht also nicht nur für das, was war – es steht für das, was wir sein können:
eine offene Gesellschaft, die lernt, die zuhört, die handelt – und die aus Erinnerung Verantwortung für die Zukunft übernimmt.

Denn: Die ehrliche Aufarbeitung unserer lokalen Geschichte schafft nicht nur Klarheit.
Sie schafft auch Freiräume für Neues, für Gemeinsames und für Positives.